Gemeinwohl-Ökonomie

Seit 2012 bin ich Pionierin der Gemeinwohl-Ökonomie und wirke an diesem menschenorientierten Wirtschaftsmodell mit.

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Wandel, Veränderungen, ...

27.05.2013

Wandel und Veränderungen fordern uns in allen Lebensbereichen, nicht nur Entscheider suchen Orientierung, "Ja, aber wie lange noch" fragen sich Menschen, die viel am Wandel bei sich selbst und am Ganzen tun...

Ich füge hier gerne eine Schilderung einer Biologin zum Wandel einer Raupe zum Schmetterling ein, die ich für uns Menschen sehr ermutigend finde:


Von der Krise zur Transformation - Von der Raupe zum Schmetterling

(Elisabet Sahtouris, Biologin)

Die Raupe ist ein gieriger, destruktiver Konsument von grünen Blättern, denn sie frisst ein mehrfaches ihres Gewichtes. Sie frisst sich ein übermässiges Polster an und hängt sich anschliessend zum Schlafen auf, so dass sich ihre Haut langsam in eine gehärtete Puppe (Kokon) verwandeln kann. Sie begibt sich in eine Phase der Metamorphose, um ihr bisherges Leben aufzugeben und dann als Schmetterling wiedergeboren zu werden.
Abgeschieden von der Umwelt, beginnt ihre innere Struktur zu zerfallen. Die Organe der Puppe lösen sich auf, existieren nicht mehr in der bisher bekannten Form. Aus der Perspektive der Raupe ist dies eine Katastrophe, droht hier doch ihr Untergang: Die klare Einteilung von Zuständigkeiten, die Arbeitsteilung etwa zwischen Bewegungsmuskulatur, Kreislauforganen und Verdauungssystem, all das gibt es dann nicht mehr. Die Krise wird lebensbedrohend. Und in dieser Krise hinein bilden sich nun - geleitet von tiefen inneren Wissen - sogenannte Knospenzellen, um die herum die neue Ordnung entsteht. Immer neue Zellen lagern sich an die Knospe an, verbinden sich zu neuen Strukturen - neuen Organellen -, aus denen wieder ganz neue Organe erstehen.
Das Alte führt eine Zeitlang noch eine Parallel-Existenz neben dem Neuen. Und dies ist für die spätere Existenz des Schmetterlings unabdingbar: Es ist die Aufgabe der Raupe, das Leben zu bewahren, indem ihr eigener Körper die Nahrung für die neuen Zellen bildet.
Betrachten wir jetzt das Immunsystem der Raupe - die Gesundheitspolizei im alten System -, dann stellen wir fest, dass sie mit all ihren Kräften bemüht sind, die neuen Knospenzellen zu zerstören. Sie sehen sie als Gefahr für die alte Ordnung. Eine Ordnung, die ohnehin in Auflösung begriffen ist. Aber die Zellen, die die Entstehung des Schmetterlings bewirken, setzen sich durch. Die kleinen und bis dahin ziemlich einsamen Imago-Zellen beginnen sich in kleinen Gruppen zu verklumpen. Dabei schwingen sie auf einer ähnlichen Ebene und beginnen, von Zelle zu Zelle Informationen miteinander auszutauschen. Die Klumpen von Imago-Zellen beginnen Gruppen zu bilden!
Dann scheint dieser lange Faden von Imago-Zellen an einem bestimmten Punkt plötzlich zu begreifen, dass er "etwas ist": Etwas anderes als die Raupe, etwas Neues! Und mit der Erkenntnis einer eigenen Identität verwandelt er den alten Raupenkörper von innen. Diese innere tiefe Erkenntnis ist die eigentliche Geburt des Schmetterlings, denn damit kann jetzt jede Schmetterlingszelle ihre eigene Aufgabe übernehmen: Für jede der neuen Zellen ist etwas zu tun, alle sind wichtig. Jede Zelle beginnt das zu tun, wo es sie am meisten hinzieht. Und alle anderen Zellen
unterstützen sie darin, genau das zu tun.
Was also die Natur als perfekte Methode, einen Schmetterling zu erschaffen, vormacht, könnte als Analogie für die Prozesse der gesellschaftlichen und kulturellen Transformation der Gegenwart dienen. Menschen, die für neue Möglichkeiten wach werden, sind so etwas wie die Imago-Zellen der Gesellschaft. Der Prozess der sozialen Transformation beginnt mit dem Auftauchen von Individuen, welche die Samen der Zukunft in sich tragen. Sie sind "imaginativ", indem sie in ihrem Sein und ihrer Identität einen Aspekt der zukünftigen Wirklichkeit in sich tragen.
Diese innovativen Individuen sind so etwas wie Fackelträger einer sich entfaltenden Zukunft. Sie mögen Rückschläge erleben, sind jedoch in ihrer Dezentralität nicht zu eliminieren. Um sich durchzusetzen, müssen die verschiedenen Bewegungen, die in sich als Samen die verschiedenen Möglichkeiten einer Zukunft tragen, lernen, so zusammenzukommen,
dass sie sich gegenseitig in ihren jeweiligen Identitäten und Fähigkeiten unterstützen und stärken.

Gesellschaftliche Transformation wird erst dann wirklich möglich, wenn diese ganz verschiedenen Identitäten es lernen, mit- und untereinander eine Synergie zu schaffen. Das steht uns bevor.
Die Devise heisst, um auf den Spruch Elisabet Sahtouris zurückzukommen: nicht das Alte, vermeintlich Zerstörerische hassen und bekämpfen, denn das wäre nicht gesund für uns! Das Alte kann nicht anders, weil es in seiner Verzweiflung selber nicht weiss, wie weiter. Das Alte ist der lebendige Träger für das Neue.
Kehren wir noch einmal für einen Augenblick in die Sicht der Raupe zurück und stellen wir uns vor, uns würde gesagt, dass wir in kurzer Zeit jemand ganz Anderes sein werden, jemand, der sich mit Leichtigkeit Hunderte von Kilometern über die Erdoberfläche bewegen kann. Würden wir dem Glauben schenken? Lässt sich von der gemächlichen Art der kriechenden Fortbewegung der Raupe über Zweige und Blätter der Tanz eines Schmetterlings in der Luft vorhersagen?
Vom heutigen Standpunkt der Menschheit weiß noch niemand, ob wir uns in einer existenzbedrohenden Krise oder einer tiefen Transformation befinden:
Werden auch uns im "Großen Wandel" Flügel wachsen?
gefunden bei www.dankbar-leben.org - Das Europäische Netzwerk Dankbaren Lebens

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